| Thomas Bernhards Heldenplatz im Spiegel der Presse |
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| "Heldenplatz" und die Vorgeschichte |
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| Daß eine Bernhard - Aufführung auch ein internationales, mindestens europäisches Kulturereignis darstellte, versuchte die Burgtheaterdirektion in einer Presse - Aussendung am 10.Oktober 1988 in Erinnerung zu rufen: "Thomas Bernhards Weltruhm ist heute unbestreitbar. Seine Bücher erscheinen seit über zwanzig Jahren in den großen Verlagshäusern in Amerika, in Frankreich, in Italien und werden in alle Kultursprachen der Welt übersetzt. Seine Theaterstücke beeinflussen seit zwanzig Jahren in hohem Maße das Theater in Europa, so werden allein in diesem Herbst in Paris an vier renommierten Theatern vier seiner Stücke in prominentester Besetzung gespielt."(4) Von den bedrängenden Fragen des Stücks, von der Problematik von Tätern und Opfern, vom provokativ Österreichischen der österreichischen Juden Bernhards, war ja in der erregten öffentlichen Debatte sowieso kaum die Rede. Während andere österreichische Schriftstellerinnen und Schriftsteller in den fünfziger Jahren ins Ausland gingen, nahm er in Österreich die Auseinandersetzung mit seinem Herkunftskomplex auf, brauchte er doch die Wut über die österreichischen Zustände und die ständigen Kollisionen als Schreib - Antrieb - und um es überhaupt auszuhalten. Als "Störenfried" und "Weltverstörer", verstand sich Bernhard. Für Bernhard war "Heldenplatz" der letzte große Akt in seiner Herausforderung des österreichischen Staates. Ein "Reiz - Reaktionsspiel", in dem nicht nur politische Motive dominierten und es nicht nur um den heutigen Staat ging. Man könnte die Chronologie der Zusammenstöße mit staatlichen Institutionen und mit den Persönlichkeitsrechten von Privatpersonen schon in der Zeit von Bernhards Tätigkeit als Gerichtsberichterstatter beginnen lassen, als der junge Journalist bisweilen seiner Lust am Spektakulären nachgab, was wiederum die Zeugen oder Angeklagten zu Gegendarstellungen veranlaßte. Welcher Zeuge oder welcher Angeklagte findet sich schon gern in der Gerichtsspalte der Zeitung als Monster wieder. In Interviews hat Bernhard später von der Genugtuung der maßlosen Übertreibung und des Dauernd - über - Leichen - Gehens im Journalistenberuf gesprochen. Einmal hat er sogar die Wurzeln seines Schreibens in den Gerichtsreportagen sehen wollen: "Da hatte ich Blut geleckt am Schreiben. - Ein unschätzbares Kapital. Ich glaube, da liegen die Wurzeln."(5) Einen ersten publizistischen Eklat beschwor Bernhard mit einem Artikel über die Spielplangestaltung des Salzburger Landestheaters herauf, als er in der katholischen Wochenzeitschrift "Die Furche" vom 4.Dezember 1955 über Schwachsinn und Schweinerei des Theaters schrieb und von einem durchgängigen Dilettantismus, denn auf allen Bühnen herrsche das Königreich des Dilettantismus. Die Reaktion auf diese vernichtende Kritik des Landestheaters war ein langes sich hinziehendes gerichtliches Nachspiel. Der Titel des inkriminierten Artikels lautet: "Salzburg wartet auf ein Theaterstück" Als hätte der Autor die Bühne, auf der später bei den Salzburger Festspielen seine Stücke Premiere haben sollten, zum Warten auf seine eigenen Theaterstücke verdammt: "Wir warten. Wir warten noch immer darauf, daß das Salzburger Landestheater endlich einmal ein Theaterstück herausbringt, das in den Kulturspalten diskutiert wird."(6) Anläßlich der Verleihung des Kleinen Staatspreises für Literatur im März 1968, bezeichnete Thomas Bernhard den Österreichischen Staat als ein Gebilde, "das fortwährend zum Scheitern verurteilt ist", als einen "Requisitenstaat", in dem "alles austauschbar" ist, während er die Österreicher apathische "Geschöpfe der Agonie" nannte.(7) Zur Verleihung des Anton Wildgans-Preises anläßlich der Österreichischen Industriellenvereinigung im Herbst des folgenden Jahres wurde Bernhard gar nicht mehr eingeladen. Bei der Verleihung des Grillparzer-Preises anläßlich der "Grillparzer Gedenkfeier der Akademie" zum hundertsten Todestag Grillparzers im Jänner 1972, erschien Bernhard nicht einmal auf dem Programm. Im Sommer 1972 begann mit Bernhards Theaterdebüt bei den Salzburger Festspielen ein neues Kapitel seiner "Skandal Kunstwerke". Den Auftakt bildete der Streit um die feuerpolizeiliche Verordnung, daß die Notlichter auch nicht wegen der dramaturgischen Notwendigkeit einer vollkommenen Finsternis am Schluß von "Der Ignorant und der Wahnsinnige" gelöscht werden dürften. Thomas Bernhard und Claus Peymann bestanden auf der vollkommenen Finsternis, und das Stück wurde nach der Premiere vom Festspielprogramm abgesetzt. |
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(4) "Heldenplatz - Eine Dokumentation", Burgtheater Wien, S. 25 (5) Sepp Dreissinger, "Von einer Katastrophe in die andere. 13 Gespräche mit Thomas Bernhard.", Weitra, 1992, S. 146 (6) Hans Höller, "Thomas Bernhard", Rowohlt, 1993, S. 12 (7) "Thomas Bernhard - Heldenplatz - Fotoband", Burgtheater Wien, S. 113
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