Thomas Bernhards Heldenplatz im Spiegel der Presse
Pressereaktionen auf "Heldenplatz"

"Volksstimme"
Die Volksstimme benutzte die Auseinandersetzung rund um das Thema "Heldenplatz", Bernhard und Peymann zu einem Feldzug gegen die Politiker der anderen Parteien, vorrangig aber zu einem Rundumschlag gegen Bundespräsident Kurt Waldheim. Ausgehend von der Inkompetenz der Politiker, die zu einem Thema Stellung nehmen, von dem sie keine Ahnung haben, formuliert die Volksstimme eine radikal Verurteilung, die durch ihre Offensichtlichkeit der Anklage an Unglaubwürdigkeit gewinnt.
Sie urteilen im Bewußtsein höchster "Objektivität", weil sie praktisch
keine Zeile aus Texten Thomas Bernhards kennen. Sonst müßten selbst
die geistigen Gartenzwerge, die in dieser "Debatte" bisher das Wort ergriffen
haben, sich klar darüber sein, daß sie es bei Bernhard mit einem Autor zu
tun haben, der sich seine Schreibfähigkeit - angesichts des von ihm offenkundig
tief empfundenen Österreichdilemmas - ausschließlich durch satirische
und ironische Mittel bewahrt.
Die Radikalität der Kommentare, die keine Möglichkeit auslassen den Boden der Thematik auf Beschimpfungen auszuweiten, verstärkt den Zweifel über die Objektivität. Es geht nicht mehr um das kulturelle Anliegen, das es zu wahren gilt, es geht viel mehr um die bewußte Gegenstellung , um das bewußte Hetzen. Am 14. Oktober heißt es:
Jörg Haider ist ein ähnliches Glückskind. Er, der fertige Jurist, darf zwar
nicht einmal eine Rechtsanwaltskanzlei führen, dennoch scheint ihm
andauernd Fortuna hold zu sein, er erbt arisierten Großgrundbesitz und
versteht es, sich stets in den Mittelpunkt zu drängen. Er wechselt
dabei seine Gesinnung häufiger, als der Durchschnittsösterreicher
seine Unterhose.
Die Volksstimme veröffentlichte keine Zitate aus "Heldenplatz", aber viele Zitate aus anderen Werken von Thomas Bernhard.
Objektivität ist in der Bericherstattung nicht vorhanden. Der Fall "Heldenplatz" bietet sozusagen die Basis die anderen Medien und Politiker offiziell anzugreifen. Am 13. Oktober schreibt Gerald Grassl:
"Derzeit wird ihnen zwar die freie Entfaltung in ihrem künstlerischen Wirken versprochen, wenn sie aber nicht Dekorkunst schaffen, werden sie von Presse und Spitzenpolitikern zur Sau gemacht, von diesem Bundespräsidenten zu Feinden der Demokratie gestempelt."
Das Vokabular der Kommentare und Berichte nimmt oft geschmacklose Formen an: "zur Sau gemacht" (13. 10.), "Österreichs Journalisten und Politikern geht es mit den Kulturschaffenden unseres Landes wie unaufgeklärten Kindern, die plötzlich entdecken, daß ihre Eltern miteinander schlafen und das für eine Sauerei halten" (11. 10.), "er wechselt dabei seine Gesinnung häufiger als der Durchschnittsösterreicher seine Unterhosen" (14. 10.)
Die Argumentation in der Volksstimme ist eindeutig. Unter dem Deckmantel das Anliegen der Kunst zu vertreten, entsteht eine Gegenhetze, die dem eigentlichen Medienskandal in keiner Weise unterliegt.
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