| Thomas Bernhards Heldenplatz im Spiegel der Presse |
| Pressereaktionen auf "Heldenplatz" |
| "profil" |
| Bereits am 19. September, also bereits drei Wochen vor Beginn der Diskussion, erschienen im "profil" erste längere Zitate aus dem neuen Bernhard Stück. Die Auswahl der Zitate ist gleich, der in anderen Zeitungen. Ein Angriff auf Nazis, Katholiken, die Universität, die Industrie, den Bundespräsidenten, auf den Judenhaß und die Zeitungen. Die Zitate stehen allerdings völlig wertfrei, ohne Kommentar oder Zwischentexten, Einfügungen oder Erklärungen. Die Politiker fühlten sich offenbar nicht angegriffen und aufgerufen dazu Stellung zu nehmen, "Heldenplatz" war nicht in aller, sondern eher in keiner Munde. Selbst den Tageszeitungen waren der "profil" Artikel und die Stückzitate keine Zeile wert. Bereits am 1. August setzte Sigrid Löffler in ihrem Kommentar "über und unter der Budel" im "profil" ein "Heldenplatz" Zitat als Widmung voraus und schon damals sah sie den anstehenden Skandal und die Diskussion voraus: "Der Fall Peymann ist noch nicht ausgestanden. Da lauern die Kunstfeinde auf ihre nächste Chance, nämlich die Uraufführung des Thomas Bernhard Stückes "Heldenplatz" zur Säkularfeier des Burgtheaters an der Ringstraße, auch wenn der (aus Publicity- oder anderen Gründen vom Verlag geheimgehaltene) Text keinerlei Sensationen, sondern nur wohlbekannte und oft gehörte Echos früherer Bernhardscher Schimpftiraden gegen Nazis, Sozis und `die geist- und kulturloose Kloake´namens Österreich enthält." Im "profil" beschäftigt sich ausschließlich die Kulturkritikerin mit "Heldenplatz". Als Interviewpartner werden nicht eine Reihe Politiker zu Wort gebeten, sondern es findet lediglich ein Interview mit dem Co-Direktor des Burgtheaters Hermann Beil, zum Inhalt und zur Thematik statt. Außer dem Interview mit Hermann Beil erschien auch nur ein Kommentar zum Stück. In dem findet sich eine fachliche Kritik am künstlerischen Wert des Stückes und eine Zeichnung der Realität Österreichs (17. 10.): "gut, über Zahlen wird man mit einem Übertreibungskünstler wie Bernhard immer streiten können. Aber sonst ist Österreich gegenwärtig mit nichts so sehr beschäftigt, wie damit, Bernhards schlimmste Übertreibungen und gemeinste Verzerrungen nicht Lügen, sondern Wahrheit zu strafen. Österreich führt sich auf, als sei es eine Bernhard Inszenierung. ... Tobsüchtiger und debiler hat sich der öffentliche Diskurs selten aufgeführt." Der Kommentar geht aber auch auf die eigentliche Ursache des Skandals, die Hetze der Kronen Zeitung ein: "Wie sehr ein paar herausgeklaubte Reizrosinen aus dem Bernhardschen Wortbrei, wenn sie nur von der `Krone´ Tobsucht breitgetreten werden, zu brisanten Tellerminen entarten können, das zeigt das Spektakel, das seit der Vorwoche Österreich und das Burgtheater, also de facto die Welt erschüttert hat." Der Kampf auf kultureller Ebene wird entblößt, die Auseinandersetzung findet nicht im Stück "Heldenplatz" ihren Nährboden, sondern in der ereiferten Masse an Medien, Politikern und der aufgehetzten Volksmenge. |
| Damit hatte die "Krone" - seit ihrer antisemitisch unterfütterten Pro-Waldheim -Kampagne ständig auf der Suche nach neuen Buhmännern für die gereizten Wutbedürfnisse ihrer Lesrschaft - endlich wieder ein geeignetes Haßobjekt als Mütchenkühler und Frustrationsableiter gefunden: nämlich Bernhard, Pey- mann und die Burg, also aus "Krone" Sicht die verkörperte Arroganz und Unbegreiflichkeit neuer Kunstformen. |
| Zurück zur Auswahl der einzelnen Zeitungen Zur Analyse der Wochenpresse
|