| Thomas Bernhards Heldenplatz im Spiegel der Presse |
| Pressereaktionen auf "Heldenplatz" |
| Die Leserbriefe |
| In den Leserbriefen spiegelt sich das Bild der Berichterstattungsart ziemlich getreu wieder. Nicht in der "Krone" wurden die meisten Leserbriefe abgedruckt, sondern in der "Presse". Insgesamt erschienen 112 Leserbriefe in den einzelnen Medien. In der "Presse" beteiligten sich 26 Leser an der Auseinandersetzung, 19 nahmen eine eindeutige negative Stellung ein. Die "Krone" ließ 25 ihrer Leser zu Wort kommen. Nur drei äußerten sich positiv zu Bernhard, Peymann und "Heldenplatz". Im "Kurier" erschienen 21 Leserbriefe, 16 negative und 5 positive. Im neugegründeten "Standard" wurden zu dieser Zeit noch keine Leserbriefe veröffentlicht. Die "Neue AZ" druckte 16 Leserbriefe, 13 davon eindeutig positiv, in der "Volksstimme" konnten zwei Leser ihre positive Meinung veröffentlichen. Im "profil" wurden vier negative und 11 positive Leserbriefe publiziert. In der "Wochenpresse" erschienen 7 negative und drei positive Leserbriefe. Die Argumentation der Leser in der "Krone" dreht sich hauptsächlich um die Finanzierung durch Steuergelder: "Nur Debile könnten es tatsächlich hinnehmen, daß mit ihrem Steuergeld derartige Aufführungen finanziert werden." (18. 10.) Auch die "Kurier" Leserbeiträge orientieren sich größtenteils an der Steuergelddebatte. Die Leser der "Presse", die auch zu einem erheblichen Anteil ihrer negativen Einstellung Luft machten, analysieren und versuchen sogar Alternativen zu finden. Die negative Einstellung ist aber trotzdem vorhanden: " ... daß das neue Stück von Thomas Bernhards sprachlich und inhaltlich im besten Fall als mittelmäßig bezeichnet werden kann. Daß dies auch ein Bochumer Provinztheaterdirektor samt Anhang, alle der hochdeutschen Sprache ohne norddeutschen Anhang nicht mächtig, nicht erkennen kann, ist auch verständlich. ... " (17. 10.) "`Dies Österreich ist eine kleine Welt, in der die große ihre Probe hält. Welchen Schluß läßt der Bernhard´sche "Heldenplatz" unter dem Aspekt dieses Hebbelwortes wohl zu? Österreich - eine Endlagerstätte für Frustration, für geistigen Müll jedweder Prominenz? ... " (7. 11.) In der "Neuen AZ" und in der "Volksstimme" sind die Stellungnahmen auffallend positiv, dafür umsomehr gegen zensurfordernde Politiker gerichtet: "Der Bundespräsident, der selbst seine Kriegsvergangenheit mehrmals umgedichtet hat, aber ohne besondere literarische Brillanz, ..." (AZ, 27. 10.). "Die ganze Diskussion um Bernhard hat nur eines bewiesen: Begann früher die Provinz in Temesvar, so beginnt sie jetzt schräg hinter dem Burgtheater." (AZ, 27. 10.). Im "profil" sind die meisten Leserbriefe positiv: "Schnellkurs im Österreicher - Werden für einen Bundesdeutschen. ... Sind sie größer als 1,70 m, gehen sie gebückt, denn das Mittelmaß ist in Österreich seit Jahren der letzte Hit." (31. 10.) Die "Wochenpresse" Leserbriefe brachten vor allem das Argument der globalen Beschimpfung des österreichischen Volkes. Ein "Kriegsteilnehmer" schrieb: "Typen wie Bernhard und Co. gab es schon viele seit Bestehen Österreichs, und nicht nur in Österreich, sondern in allen Ländern der Welt. ... Bedauerlich ist für mich nur die Tatsache, daß solche Kunstverirrungen von unserer jetzigen Regierung ermöglicht werden, obwohl die überwiegende Mehrheit des Volkes damit nicht einverstanden ist. Wenn unsere Demokratie nur im Wählenlassen einer Parteidiktatur sich erschöpft, dann muß eines Tages wieder der Ruf nach einem starken Mann erfolgen, ohne daß deswegen gleich an Hitler gedacht werden muß." (4. 10.) |
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