Thomas Bernhards Heldenplatz im Spiegel der Presse
Pressereaktionen auf "Heldenplatz"

Die "Neue Kronen Zeitung"
Von den österreichischen Medien berichtete die Kronen Zeitung nicht nur am umfangreichsten (ohne Leserbriefe 43 Artikel) über Thomas Bernhard und seine "skandalöse Österreichbesudelung", über Regisseur Peymann und das Burgtheater, sondern die Krone brachte auch gemeinsam mit der "Wochenpresse", erste kommentierte Ausschnitte und damit den Skandal ins rollen.
Die Bezugnahme von Hälfte Eigentümer Hans Dichand zu der Medienhetze mag den Lesern als Prolog dienen: "Wir schreiben pro und kontra, wir zeigen also Probleme von allen Seiten auf. Wir sind eben eine pluralistische Zeitung. Bei uns ist es möglich, daß der eine gegen Heldenplatz schreibt, der andere im Burgtheater die Heldenplatz-Sache durchaus negativ sieht. Wenn sie unsere Burgtheater-Kritik gelesen hätten, dann wüßten Sie, daß die bei uns ganz positiv beurteilt worden ist. Wir sind eben eine pluralistische Zeitung."
Mit "österreichfeindliche Ergüsse" (9. 10.),"skandalöse Österreichbesudelung" (9. 10.),"bis zur Infantilität gesteigerte Auslassung eines Thomas Bernhards" (13. 10.), "österreich-Feindliches und österreich-Verächtlichmachendes" (13. 10.), und "nationale Selbstbesudelung" (15. 10.) kann man den Krone Journalisten zwar keine Ideenlosigkeit, allerdings eine eindeutige Grundeinstellung vorwerfen. Auch bei den Titulierungen für Thomas Bernhard und Claus Peymann hat die Krone Mannschaft Einfallsreichtum bewiesen: "Das Duo Peymann/Bernhard" (13. 10.), "Rüde Herren" (13. 10.), "Künstler von selbsternannten Gnaden" (13. 10.), "wildgewordenen Regisseuren und präpotenten Theaterdirektoren" (13. 10.) bzw. "sogenannte Künstler" (17. 10.) und "Firma Bernherd & Peymann" (26. 10.).
Zu Anfang galt es zugkräftige Zitate zu veröffentlichen und das Blut des Volkes in leichte Wallungen zu versetzen. Danach wurden die Aussagen der literarischen Vorlage mit der Grundeinstellung von Thomas Bernhard und Claus Peymann gleichgesetzt. Schließlich wurde ein Punkt ins Spiel gebracht, der die Volksseele direkt traf: Die Finanzierung einer globalen Beschimpfung mit Steuergeldern. Einerseits wollte man bei den Lesern patriotische Gefühle wecken: "Es gibt Augenblicke, in denen die Schmähung Österreichs und damit die Gefährdung unseres Landes beinahe modisch wird. Aber es gibt auch Menschen, die sich dagegen wehren. Und auf deren Patriotismus ist Verlaß." (13. 10.) Andererseits wollte man eine direkte Verbindung zwischen Burgtheater bzw. "Heldenplatz" und den Lesern herstellen, indem man die Steuergelder eines jeden einzelnen ansprach. Als nächsten Schritt wurden Politiker zitiert und kommentiert. Die Zeitung versuchte das "Uns" Gefühl ihrer Leser anzusprechen. Dieses geschah mit Aussprüchen wie: "In unserem Burgtheater" (11. 10.), "unser Land" (9. 10.) und "durch gigantische Subventionen aus unseren Taschen" (11. 10.).
Im "Thema des Tages" von Peter Gnam am 6. November kommt es noch einmal zu einer Abrechnung. Gnam spricht von einer "wochenlangen Provokation", vergißt dabei aber nur, daß lediglich die Medien und vor allem seine Zeitung provozierte. Er setzt die "liberalen" Berichterstattungen des Standard ins positive und die AZ- Kritikpunkte ins negative Licht.
Thema des Tages
VON PETER GNAM
Nach der Premiere

Ein Theaterstück, das davon "lebt", die Österreicher herunterzumachen und
ein Theaterdirektor der mittels Wochenlanger Provokation den Skandal geradezu sucht -
das war die Premiere von Thomas Bernhards "Heldenplatz" Freitag Abend in
unserem (?) Burgtheater. Im "Standard" schrieb Peter Sichrovsky darüber, daß
hier ein Bochumer Theaterdirektor mit Hilfe eines österreichischen Schriftstellers
einen Wiener Juden bellen läßt, wie einene deutschen Schäferhund. Er schrieb auch,
daß das Stück "erschreckend schlecht, banal, polemisch, einfältig, verfäschend,
dumm und gefährlich" sei.
Die Rüge für diesen Verriß folgte prompt in der gestrigen sozialistischen "Arbeiter-
Zeitung": Verwirrt wurde da registriert, daß sich auch die liberale Presse des Landes auf
die Seite der Bernhard-Heldenplatz-Gegner schlage. Ja, warum denn nicht? Hört die Freiheit
der Kunst dort auf, wo es einer wagt, dem Duo Peymann-Bernhard die Meinung zu sagen?
Besteht die freie Meinungsäußerung in diesem Land darin, auf Kommando einer
Aufführung zuzujubeln, nur weil es selbsternannte "rote" Kulturpäpste so wollen?
Am 5. November schreibt Hans Dichand unter dem Titel "Wahrheit und Weisheit" von den "Ehrenbeleidigungen aber, wie sie Peymann als die Wahrheit bezeichnet", die "schwerwiegende Verstöße gegen das Gesetz, die mit Freiheit der Kunst nichts zu tun haben, sind" .Dichand schließt seinen Kommentar mit einem Zitat des Schriftstellers Elias Canetti: "Versuche nicht zu verurteilen. Es gibt nichts Ekligeres als die Verurteilung. Sie ist immer so oder so. Und sie ist immer falsch. Wer weiß denn genug um irgendwen zu verurteilen?"
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