| Thomas Bernhards Heldenplatz im Spiegel der Presse |
| Pressereaktionen auf "Heldenplatz" |
| Zusammenfassende Schlußbemerkung |
| Das Ereignis "Heldenplatz" hätte ohne die Medien nicht stattgefunden. Die Aussagen der literarischen Persönlichkeiten im Stück wurden mit den persönlichen Meinungen Thomas Bernhards gleichgesetzt. Aber der von Medien wie der "Kronen Zeitung" gelenkte Volkszorn, richtete sich nicht nur gegen den Dichter und sein Stück. Auch Claus Peymann und die Politiker sahen sich massiven Verbalattacken ausgesetzt. Die unendliche Geschichte der Steuergelder wurde um ein weiteres Kapitel verlängert. Die bewußt aus dem Zusammenhang gerissenen und veröffentlichten Zitate dienten als Stein des Anstoßes einer Diskussion, die nicht nur an der Oberfläche hängenblieb, sondern ihren ursprünglichen Bereich der Kultur bald verlassen hatte. Das zum Problem erhobene kulturelle Potential verlagerte sich in den politischen Bereich, die Medien konzentrierten sich allmählich auf die Politiker und deren Äußerungen. Politiker, Kommentar und Leserbriefschreiber fühlten sich gleichermaßen zum Kulturkritiker be- und aufgerufen. Die ganze österreichische Nation präsentierte sich als Gesamtkunstwerk, das Thomas Bernhard fast nicht besser hätte schreiben können. "Bei Bernhard ist ganz klar, was er will. Er will, was wir alle wollen, deswegen ist er der richtige Nationaldichter. Er spricht für die österreichische Nation, die sich in ihm nicht wiedererkennt. Er ist der einzige verkannte Nationaldichter. Wenn er aus dem Cafehaus tritt, wo er alle Zeitungen liest, um die Wut am Kochen zu halten, verstellen ihm die Wiener den Weg und sagen, er gehört aufgehängt. Ja wie ein Bundespräsident gehört er an die Wand in jedem Raum, der sich dafür eignet, unser Bernhard, unser wirklicher Präsident" schrieb der bekannte Autor und Journalist Günther Nenning in der Hamburger Wochenzeitung "Die Zeit". Der Artikel erschien am 4. November 1988, dem Tag der Premiere. Am 5. November konnten die Österreicher die Früchte ihres Volkszornes beim Premierenbericht in den Abendnachrichten direkt betrachten - ein vom Tode gezeichneter Thomas Bernhard betrat, gestützt von Claus Peymann, die Bühne des Burgtheaters und stellte sich dem 40 Minuten dauernden Applaus. Der Skandal stürzte in sich zusammen und präsentierte sich als das, was er wirklich war, als lächerliches Medienereignis. |
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