| Thomas Bernhards Heldenplatz im Spiegel der Presse |
| Pressereaktionen auf "Heldenplatz" |
| "Neue Arbeiterzeitung" |
| Die Berichterstattung der Neuen AZ beteiligt sich nicht an der Hetzkampagne rund um das Bernhard-Stück. Die Kommentatoren nehmen zu Bernhard, Peymann und "Heldenplatz" einen neutralen bis positiven Standpunkt ein. Im Blickpunkt der Betrachtung und der Kritik stehen mehr die Politiker und die anderen Tageszeitungen. Es wird sogar von der Inszenierung der Kampagne der Kronen Zeitung gesprochen. Manfred Scheuch schreibt am 11. Oktober: "Die Versuchung für Politiker auf die von der `Kronen Zeitung´ inszenierte Kampagne gegen Thomas Bernhards in Auszügen bekanntgewordenes Stück aufzuspringen muß groß sein." Schon in den Titeln zeigen sich deutliche Unterschiede der AZ mit den anderen Medien, die sich aktiv an der Medienhetze beteiligten. Am 11. Oktober heißt es zum Beispiel in der AZ: Wirbel um Bernhards "Heldenplatz" Hawlicek: "Kunst muß provozieren" "Ich werde Peymann auf keinen Fall auffordern, das Stück abzusetzen" Titel der Presse desselben Tages: Hawlicek hat neuen Burg-Chef parat "Schließe Rücktritt Peymanns nicht aus" Ilse Brandner-Radinger entlarvt in ihrem Kommentar vom 15. Oktober die Basis der Politikerdebatte über Bernhard und Peymann und verweist auf die "Tradition der Unbelehrbarkeit" der jüngsten Vergangenheit, als etwa "ein Ex-VP-Generalsekretär die Salzburger Tabori-Inszenierung aufs Klo verbannen wollte". Am 29. 10. erscheint in der Neuen AZ ein zweiseitiger umfassender Bericht zu Thomas Bernhard und "Heldenplatz". Zitaten folgte eine Inhaltsangabe und der Auszug eines Referates des bekannten Germanisten und Bernhard-Experten Wendelin Schmidt Dengler. Die Ausschnitte decken sich in der Grundaussage mit den Meistpublizierten, sind aber viel länger und umfangreicher. Sie wirken dadurch harmloser. |
| Aber werfen wir ein paar Blicke ins Textbuch, das der "Neuen AZ/Tagblatt" kürzlich zugespielt worden ist! Schälen wir die eklatantesten Zitate aus dem Zusammenhang, um sie - anders als die "Wochenpresse" und die "Krone" - nachträglich wieder in den Kontext einzubauen. Also starten wir mit den schon notorischen "sechseinhalb Millionen Debilen": |
| Die Politiker , die sich gegen das Stück aussprachen, wurden zwar zitiert, aber nicht beschimpft oder unfair kritisiert. Lediglich Jörg Haiders "Hinaus mit dem Schuft!" diente in einem eigenen Kommentar zur Auseinandersetzung. (12. 10.) "Ausgerechnet Haider ... Der FP-Führer, der noch vor ein paar Wochen die österreichische Nation als Mißgeburt bezeichnet hat, fühlt sich nun bemüßigt, sich schützend vor dieselbe zu stellen. ... Dieses `Hinaus mit dem Schuft´ einem der renommiertesten Theatermänner jenes Sprachraumes gegenüber, den Haider sonst zur Leugnung der österreichischen Nation mißbraucht, ist die wahre Kulturschande." Die Berichterstattung verlief weniger umfangreich und objektiver als in den meisten anderen Tageszeitungen. Das Thema selbst war aber, wenn auch anders, in der Neuen AZ trotzdem präsent, die Diskussion hat stattgefunden. Im Vergleich dazu wären die Salzburger Nachrichten zu erwähnen, die sich am dritten Tag der Mediendiskussion bewußt verabschiedeten (SN 11. 10.) "Wir möchten bewußt darauf verzichten, aus den Ausschnitten auch noch ausschnittweise zu zitieren. Zu beurteilen wird, nach dem 4. November, das Kunst-Produkt sein, das auf der Bühne der Burg das Licht der Theaterwelt erblickt haben wird." |
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