| Thomas Bernhards Heldenplatz im Spiegel der Presse |
|
| Pressereaktionen auf "Heldenplatz" |
|
| 2 Bild | |
| 2. Bild: Die beiden Töchter des Verstorbenen, Anna und Olga, warten im Volksgarten auf ihren Onkel. Es ist ein trüber Tag und im Hintergrund kann man das Burgtheater erkennen. Robert Schuster, Professor der Philosophie, ist herzkrank und braucht für den kurzen Weg viel Zeit. | |
| Anna ist eine beherzte Kämpferin gegen die Ungerechtigkeiten und Schlechtigkeiten der Welt. Olga schweigt und friert, wie sie immer geschwiegen und gefroren hat. Olga versucht die Wiener sogar noch in Schutz zu nehmen, als zur Sprache kommt, daß sie auf der Straße bespuckt worden ist, weil sie Jüdin ist. Sie meint, daß das sicher irrtümlich war. Die Schwestern wollen Professor Robert, als er endlich gestützt auf zwei Stöcke herankommt, zu einer Petition gegen den Bau einer Straße mitten durch das Neuhauser Grundstück bewegen. Professor Robert weigert sich: "Das weiß ich/das entgeht mir nicht/daß alles zerstört wird/ihr tut ja so als wüßte ich davon nichts/aber ich protestiere nicht mehr/dazu seid ihr da/die Welt ist ja schon heute nur mehr noch eine zerstörte/alles in allem unerträglich häßliche" (12). | |
| Robert Schuster ist ein zürnender und verlorener Greis, der über diese verkommene Welt, dieses verluderte Österreich, dies grausame Wien schimpft: "der Staat eine Kloake stinkend und tödlich/die Kirche eine weltweite Niedertracht/die Menschen um einen herum/abgrundtief häßlich und stumpfsinnig/der Bundespräsident ein verschlagener verlogener Banause/und alles in allem deprimierender Charakter/der Kanzler ein pfiffiger Staatsverschacherer/der Papst gibt in seinen Gemächern/ein sogenanntes warmes Essen für Obdachlose/und läßt diese Tatsache weltweit verbreiten/eine zynische Welt" (13). | |
| Professor Robert Schuster, ist ein Mensch, der seine Herzanfälle ebenso liebt wie die wöchentlichen Besuche im Musikverein, obwohl er dort seit zwanzig Jahren kein gutes Konzert mehr gehört hat. | |
| Zum 3. Bild | |
|
(12) Thomas Bernhard, "Heldenplatz", Suhrkamp, Frankfurt am Main, 1988, S. 87 (13) Thomas Bernhard, "Heldenplatz", S. 102
|
|